Auf dem Titelbild zu sehen:

Die Heimatrasse im Fokus des LV Hannover im Jahr 2022 sind Zwerg-Hamburger Goldsprenkel.

 

 

ACHTUNG, PLANÄNDERUNG!!

Die LVJ-Schau 2022 findet in der Börnekenhalle, Zum Börneken 25 in 38165 Lehre statt.

 

Der Rassetauben Verein Harz-Heide von 1979 e.V. richtet diese am 19./20.11.2022 angeschlossen an diverse Schauen aus. Meldeschluss ist der 30.10.2022, Die Einlieferung ist am 18.11.2022. 

 Die neuen Meldepapiere sind online....

 


Niedersachsen hat die Wahl - am 9.10.22 ist es wieder soweit es wird der 19. Niedersächsische Landtag gewählt. 

Wir vom LV - Hannover sowie auch der LV - Weser/Ems haben uns an die Spitzenkandidaten der seit Jahrzehnten etablierten Parteien mit Wahlprüfsteinen gewandt.

Herrn Stephan Weil

Landesvorsitzender SPD-Landesverband Niedersachsen

 

Herrn Dr. Bernd Althusmann Landesvorsitzender CDU in Niedersachsen

 

Herrn Dr. Stefan Birkner

Landesvorsitzender FDP Landesverband Niedersachsen

 

Frau Anne Kura, Herrn Hans-Joachim Janßen Landesvorsitzende / Landesvorsitzender BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Landesverband Niedersachsen

 

Im Anhang befinden sich die Fragen, die wir den Parteien gestellt haben. Sobald wir die Antworten auf unsere Fragen haben, werden wir diese veröffentlichen.

 

Die zwei Landesverbände hoffen so etwas Klarheit über die Einstellungen der Parteien zu unserem Hobby zu erhalten. Insbesondere deren Einstellung, inwieweit Geflügelzüchter anders gestellt werden, als Massentierhalter.

Wahlprüfsteine:

1. Die beiden Landesverbände der Rassegeflügelzucht in Niedersachsen haben sich ausdrücklich dem Tierwohl verschrieben und ihre Mitglieder praktizieren dies täglich. Wie bewertet Ihre Partei diese Anstrengungen und sind Sie bereit dieses ehrenamtliche Engagement zu fördern.

2. Wird Ihre Partei etwas unternehmen, dass die Kleintierhaltung und kleinbäuerlichen Strukturen von bürokratischen Hemmnissen entlastet werden, bzw. wie soll aus Ihrer Sicht ein Unterschied zwischen „Geflügelindustrie“ und Haltung für den Eigenbedarf mit regionaler Vermarktung gemacht werden.

3. Bei der Zucht von Nutz- und Ziergeflügel handelt es sich um ein viele Jahrtausende altes Kulturgut. Wie steht Ihre Partei zu einer Anerkennung als immaterielles Kulturerbe in Deutschland. Bzw. setzt sich Ihre Partei dafür ein, dass die Lautäußerungen, die zum Tierwohl dazugehören, als ortsübliche Emission anerkannt werden. Wie steht Ihre Partei zu der diesbezüglichen Bundesratsinitiative des Freistaats Bayern.

4. Für eine Erhaltungszucht besteht ein entsprechender Platzbedarf für Aufzucht und Unterteilung der Zuchttiere und zum Schutz der Tiere vor Witterung und Raubtieren. In Baugenehmigungsverfahren wird regelmäßig aufgezeigt, dass das geltende Baurecht im Einzelfall keine passenden (Ausnahme-)Regelungen enthalten oder konkretisierende Auslegungshilfen fehlen. Wie beabsichtigt Ihre Partei, dass es hier unkomplizierter und unbürokratischer Maßnahmen in baurechtlicher Hinsicht bedarf, um beispielsweise auch in Zeiten der kursierenden Geflügelpest genügend Auslaufmöglichkeiten gewähren zu können?

5. Die Ausrichtung der züchterisch und gesellschaftlich notwendigen "Körveranstaltungen" auf regionaler und überregionaler Ebene ist für Erhaltungszuchten existentiell. Die Veranstaltungen sind bedingt durch die Ausgereiftheit der Tiermerkmale zwischen September und Januar eines Jahres. Deutlich steigende Raummieten, zunehmende ordnungsamtliche und veterinärrechtliche Auflagen und kurzfristige Veranstaltungsverbote erschweren die meist ehrenamtliche Organisation. Wie nimmt Ihre Partei die deutlich mehr als ein Jahrhundert existierenden Tiervergleichsschauen wahr und sind Sie bereit diese zu unterstützen.

6. Für eine große Unsicherheit in der Züchterschaft führt die aktuelle EU-Verordnung 2020/688, als Ergänzung zur Verordnung 2016/429. Problematisch ist, dass auch für den Besuch von Geflügelausstellungen bei Grenzübertritt Traces, das heißt kostenpflichtige amtliche Gesundheitsbescheinigungen des Tierbestandes notwendig sind. Besonders in den grenzüberschreitenden Gebieten wird der europäische Gedanke, der sich bei uns mit vielen Partnervereinen gebildet hat, verloren gehen. Ist Ihre Partei dazu bereit, verbesserte Möglichkeiten zu schaffen.

7. Wie steht Ihre Partei zum Thema Impfen gegen die Geflügelpest in den Haltungen der Geflügelzüchter. Der Erhalt von genotypischen Sorten in diesen Haltungsformen dürfte höher zu werten sein, als die auf den Export ausgerichtete industrielle Geflügelhaltung. Wird sich Ihre Partei für ein beschleunigtes Herstellungs-/Anerkennungsverfahren der Impfmöglichkeiten einsetzen.

8. Was unternimmt Ihre Partei dafür, dass die tierärztliche Versorgung flächendeckend auch für Kleinsthaltungen erhalten bleibt, um z.B. die aktuell vorgeschriebenen Pflichtimpfungen zu gewährleisten. Viele Impfstoffe werden nur in großen Verpackungseinheiten (1.000 und mehr) abgegeben, die für die Kleinsthaltungen nicht Gebrauchsfähig sind. Wie setzt sich Ihre Partei dafür ein, dass für die Kleinsthaltungen finanziell tragbare und bedarfsgerechte Einheiten, vordergründig für die vorgeschriebenen Pflichtimpfungen, berücksichtigt werden.

 

9. Mit der neuen Züchterschulung (ISBN: 978-3-00-065145-8) hat der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e.V. eine neue Form der Wissensvermittlung beschritten. Hier sollen gerade auch Halter und Halterinnen sachlich und fachlich informiert und im Umgang mit Nutz- und Ziergeflügel geschult werden. Wie bewertet Ihre Partei dieses und wie steht Ihre Partei dazu, die Züchterschulung als Sachkundenachweis anzuerkennen


Liebe Züchterinnen und Züchter von Rasse- und Ziergeflügel im LV Hannover

 

Tierwohl ist ein Begriff, der in aller Munde ist. Leider benutzen ihn zu viele Menschen mit Halbwissen, ohne eigene Erfahrungen oder aufgrund von propagandistischen Kampagnen im Internet.

Aber auch Menschen, die lange Zeit Tiere haben, definieren diesen Begriff manchmal nicht zeitgemäß. Sie halten sich für Experten, obwohl sie Bezüglich ihrer Tierhaltung einfach nur seit Jahren in ihrer eigenen Suppe kochen und an den Zeichen der Zeit vorbei gezüchtet haben.

Vor allem die Hühnerhaltung erfährt derzeit eine Renaissance. In meiner eigenen Praxis kommen viele Privatleute, die sich ein paar Hühner hinter ihrem Haus halten. Meistens irgendwelche Legehybriden, die sie aus der Käfighaltung gerettet haben. Oft wundern sie sich, dass diese Tiere leider nur kurzlebig sind. Ich rate gerade den Privatleuten mit persönlichem Bezug zu ihren Hühnern zu Rassegeflügel. Weil sie zum ein hübscher sind und zum anderen auch robuster und langlebiger. Aber der Gedanke die Hühner zu retten zeigt, dass sich das Verständnis von Geflügel in der Gesellschaft geändert hat. Die Petition zum Schutz von Gerüchen und Geräuschen des Landlebens, sogenannter ortsüblicher Emissionen (inclusive des Hahnenschreies) ist in Deutschland auf den Weg gebracht. Dieses immaterielle Gut ist in Frankreich bereits gesetzlich geschützt.

Blickt man in unsere Nachbarländer Österreich und Schweiz, so sieht man immer wieder die aufflammenden Konflikte zwischen Ausstellungsgeflügelzüchtern und Tierschützern. Sei es wie in der Schweiz, dass die Bedingungen auf der Ausstellung bis hin zu einem nicht mehr durchführbar Maß geändert werden sollen oder dass besonders übertypisierte Rassen angeprangert werden und sogar Zuchtverbote erwirkt werden sollen, wie bei den Seidenhühnern oder Kropftauben in Österreich, oder auch kurzschnäbligen Taubenrassen in der Schweiz. Oft reagieren die betroffenen Züchter nur mit Wut und Unverständnis. Eine wirkliche Lösung wird dann die Regierung durch Gesetze und Verordnungen herstellen. Dabei laufen wir Züchter natürlich Gefahr, dass die Legislative nicht zwangsläufig in unserem Sinne entscheidet. Zumal unsere Lobby auch nicht die Größte ist. Aber die Entscheidungsfindung ist ein langwieriger Prozess, in dem vor allem wissenschaftlich belegte Fakten als Entscheidungshilfe hergenommen werden. Diese Fakten müssen die Leute schaffen, die sich mit dieser Materie befassen. Wir Züchter!

Freuen wir uns deshalb, dass der wissenschaftliche Geflügelhof des BDRG existiert. Er ist der Dienstleister unserer Züchter und kein betroffener Sonderverein sollte sich scheuen den wissenschaftlichen Geflügelhof um Hilfe zu bitten. Trotzdem sind natürlich vor Allem die Züchter der Rassen, die im Fokus stehen, in der Verantwortung Rassemerkmale nicht in übertriebene Maße herauszuzüchten. Im Endeffekt muss der betreuende Sonderverein die Zuchtziele so wählen, dass die Tiere der jeweiligen Rasse ihre artspezifischen Bedürfnisse, wie Futter- und Wasseraufnahme, Komfortverhalten, Fortpflanzungsverhalten und körperliche Gesundheit uneingeschränkt ausleben können. Den Preisrichtern kommt hier in besonderem Maße eine Schlüsselrolle zu, da sie schlussendlich dem Züchter die Richtung weisen. Ich stehe gern jedem Züchter oder Zuchtwart mit Rat zur Seite, wenn es um die Einschätzung von Rassemerkmalen bezüglich Übertypisierung Unklarheiten bestehen.

Das soll nicht heißen, dass unsere Rassen ihre typischen Merkmale nicht mehr präsentieren sollen. Sie dürfen nur nicht unter Ihren Rassemerkmalen erheblich leiden. Ich persönlich höre immer wieder das Argument, dass bestimmte Rassen in der Wildnis auf keinen Fall mehr überleben würden. Dabei geht es nicht nur um Geflügel oder Tauben sondern auch um Hunde, Katzen oder jegliche anderen Haustiere, die von der Wildform optisch abweichen. Das Gegenargument ist sicherlich der Evolutionsfaktor Mensch. Haustiere sind keine Wildtiere. Niemand verlangt von Ihnen in der Wildnis überleben zu können. Sie leben sozusagen in Symbiose mit uns Menschen. Wir schaffen die Bedingungen damit es den Tieren gut geht. Es ist meiner Meinung nach das A und das O der Geflügelzucht gesunde Tiere mit arttypischem Verhalten einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und sich eben nicht damit zu brüsten, ein besonderes Merkmal bis in das Extreme gezüchtet zu haben.

Ich bin der Meinung wir Züchter sollten die Welle der neu erfundenen Geflügelhaltung von Privatleuten nutzen, um unsere Lobby wieder zu vergrößern, unserem Hobby neues Leben einzuhauchen und uns positiv in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu manövrieren.

Hoffen wir, dass wir trotz der pandemischen Lage und die innereuropäischen politischen Unruhen endlich wieder Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, um diese Ziele zu erreichen.

 

Dr. Martin Linde

 

Obmann für Tier- und Artenschutz im LV Hannover