Liebe Züchterinnen und Züchter von Rasse- und Ziergeflügel im LV Hannover

 

Tierwohl ist ein Begriff, der in aller Munde ist. Leider benutzen ihn zu viele Menschen mit Halbwissen, ohne eigene Erfahrungen oder aufgrund von propagandistischen Kampagnen im Internet.

Aber auch Menschen, die lange Zeit Tiere haben, definieren diesen Begriff manchmal nicht zeitgemäß. Sie halten sich für Experten, obwohl sie Bezüglich ihrer Tierhaltung einfach nur seit Jahren in ihrer eigenen Suppe kochen und an den Zeichen der Zeit vorbei gezüchtet haben.

Vor allem die Hühnerhaltung erfährt derzeit eine Renaissance. In meiner eigenen Praxis kommen viele Privatleute, die sich ein paar Hühner hinter ihrem Haus halten. Meistens irgendwelche Legehybriden, die sie aus der Käfighaltung gerettet haben. Oft wundern sie sich, dass diese Tiere leider nur kurzlebig sind. Ich rate gerade den Privatleuten mit persönlichem Bezug zu ihren Hühnern zu Rassegeflügel. Weil sie zum ein hübscher sind und zum anderen auch robuster und langlebiger. Aber der Gedanke die Hühner zu retten zeigt, dass sich das Verständnis von Geflügel in der Gesellschaft geändert hat. Die Petition zum Schutz von Gerüchen und Geräuschen des Landlebens, sogenannter ortsüblicher Emissionen (inclusive des Hahnenschreies) ist in Deutschland auf den Weg gebracht. Dieses immaterielle Gut ist in Frankreich bereits gesetzlich geschützt.

Blickt man in unsere Nachbarländer Österreich und Schweiz, so sieht man immer wieder die aufflammenden Konflikte zwischen Ausstellungsgeflügelzüchtern und Tierschützern. Sei es wie in der Schweiz, dass die Bedingungen auf der Ausstellung bis hin zu einem nicht mehr durchführbar Maß geändert werden sollen oder dass besonders übertypisierte Rassen angeprangert werden und sogar Zuchtverbote erwirkt werden sollen, wie bei den Seidenhühnern oder Kropftauben in Österreich, oder auch kurzschnäbligen Taubenrassen in der Schweiz. Oft reagieren die betroffenen Züchter nur mit Wut und Unverständnis. Eine wirkliche Lösung wird dann die Regierung durch Gesetze und Verordnungen herstellen. Dabei laufen wir Züchter natürlich Gefahr, dass die Legislative nicht zwangsläufig in unserem Sinne entscheidet. Zumal unsere Lobby auch nicht die Größte ist. Aber die Entscheidungsfindung ist ein langwieriger Prozess, in dem vor allem wissenschaftlich belegte Fakten als Entscheidungshilfe hergenommen werden. Diese Fakten müssen die Leute schaffen, die sich mit dieser Materie befassen. Wir Züchter!

Freuen wir uns deshalb, dass der wissenschaftliche Geflügelhof des BDRG existiert. Er ist der Dienstleister unserer Züchter und kein betroffener Sonderverein sollte sich scheuen den wissenschaftlichen Geflügelhof um Hilfe zu bitten. Trotzdem sind natürlich vor Allem die Züchter der Rassen, die im Fokus stehen, in der Verantwortung Rassemerkmale nicht in übertriebene Maße herauszuzüchten. Im Endeffekt muss der betreuende Sonderverein die Zuchtziele so wählen, dass die Tiere der jeweiligen Rasse ihre artspezifischen Bedürfnisse, wie Futter- und Wasseraufnahme, Komfortverhalten, Fortpflanzungsverhalten und körperliche Gesundheit uneingeschränkt ausleben können. Den Preisrichtern kommt hier in besonderem Maße eine Schlüsselrolle zu, da sie schlussendlich dem Züchter die Richtung weisen. Ich stehe gern jedem Züchter oder Zuchtwart mit Rat zur Seite, wenn es um die Einschätzung von Rassemerkmalen bezüglich Übertypisierung Unklarheiten bestehen.

Das soll nicht heißen, dass unsere Rassen ihre typischen Merkmale nicht mehr präsentieren sollen. Sie dürfen nur nicht unter Ihren Rassemerkmalen erheblich leiden. Ich persönlich höre immer wieder das Argument, dass bestimmte Rassen in der Wildnis auf keinen Fall mehr überleben würden. Dabei geht es nicht nur um Geflügel oder Tauben sondern auch um Hunde, Katzen oder jegliche anderen Haustiere, die von der Wildform optisch abweichen. Das Gegenargument ist sicherlich der Evolutionsfaktor Mensch. Haustiere sind keine Wildtiere. Niemand verlangt von Ihnen in der Wildnis überleben zu können. Sie leben sozusagen in Symbiose mit uns Menschen. Wir schaffen die Bedingungen damit es den Tieren gut geht. Es ist meiner Meinung nach das A und das O der Geflügelzucht gesunde Tiere mit arttypischem Verhalten einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und sich eben nicht damit zu brüsten, ein besonderes Merkmal bis in das Extreme gezüchtet zu haben.

Ich bin der Meinung wir Züchter sollten die Welle der neu erfundenen Geflügelhaltung von Privatleuten nutzen, um unsere Lobby wieder zu vergrößern, unserem Hobby neues Leben einzuhauchen und uns positiv in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu manövrieren.

Hoffen wir, dass wir trotz der pandemischen Lage und die innereuropäischen politischen Unruhen endlich wieder Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, um diese Ziele zu erreichen.

 

Dr. Martin Linde

 

Obmann für Tier- und Artenschutz im LV Hannover


Manfred Schmidt neuer BDRG-Ehrenmeister

Goldene Federn vergeben und LV-Ehrenmitglieder ernannt

 

Bei der LV-Delegiertentagung in Krebeck hat der BDRG-Präsident, Christoph Günzel, Manfred Schmidt aus Steinhude zum Bundesehrenmeister ernannt. Über die Goldenen Feder des Landesverbandes dürfen sich Martin Asche aus Eldagsen, Ralf Hirsekorn aus Diepholz und Manfred Gitz aus Verden freuen. Für ihre Verdienste um die Rassegeflügelzucht im LV Hannover sind Dieter Laumann, Detlef Hannemann und Emil Hildebrandt vom LV-Vorsitzenden, Alfred Karl Walter, zu Ehrenmitgliedern ernannt worden.

Bei den Wahlen haben die Delegierten Schriftführer Peter Jahn im Amt bestätigt. Neu im LV-Vorstand sind als Nachfolger von Hendrik Bisalski der Ringverteiler Andreas Finke zum stellvertretenden Kassierer und Nico Riggers als Nachfolger von Gerhard Schütte zum Öffentlichkeitsbeauftragten gewählt worden. Dr. Martin Linde übernimmt von Sebastian Fabian die Aufgaben im Bereich Tier- und Artenschutz.

Peter Jahn